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Waren einmal Revoluzzer
01.10.2021 20.00 Uhrdeutsche Originalfassung
Waren einmal Revoluzzer
Regie & Drehbuch Johanna Moder Drehbuchmitarbeit Marcel Mohab, Manuel Rubey Kamera Robert Oberrainer Szenenbild Martin Reiter & Johanna Hierzegger Tongestaltung Claus Benischke-Lang, Nils Kirchhoff, Manuel Meichsner Kostüm Veronika Albert Maskenbild Sam Dopona & Verena Eichtinger Casting Eva Roth Schnitt Karin Hammer Darsteller Julia Jentsch, Manuel Rubey, Aenne Schwarz, Marcel Mohab, Lena Tronina, Tambet Tuisk Ö 2019 104 min
 
OFFIZIELLE HOMEPAGE

„Wir müssen was tun.“ Eh – aber was tut das mit uns?

Helene (Julia Jentsch) hat alles im Griff. Sie ist Richterin, hat zwei Kinder, eine geräumige, freundlich-stylish eingerichtete Altbauwohnung in Wien, ein Wochenendhäuschen im Waldviertel und einen Lebensgefährten, der sie ehrlich liebt. Jakob (Manuel Rubey) ist Musiker, vor längerer Zeit hatte er sogar mal einen veritablen Hit. Bis jetzt ist dem allerdings noch keiner nachgefolgt, eine Tatsache, über die sich Helenes alter Freund Volker (Marcel Mohab) gerne lustig macht. Volker ist nämlich erfolgreich, und das reibt er Helene und Jakob gerne unter die Nase, aber eh freundschaftlich. Denn für echten Neid aufs Familienglück gibt es keinen Grund, schließlich ist Volker happy mit seiner jüngsten Eroberung – bzw. seiner jetzt endlich wirklich großen Liebe –, der Künstlerin Tina (Aenne Schwarz).

Dann hat Volker einen Termin in Moskau, und Helene eine Idee: Könnte er nicht für Pavel (Tambet Tuisk), ihren Ex aus der wilden alten Zeit, ein kleines Paket mitnehmen? Pavel ist nämlich Dissident und im Moskauer Untergrund, und er bräuchte dringend Unterstützung. Nach kurzem Widerstand stimmt Volker zu, trifft Pavel (nach einem James-Bond-mäßigem Stunt), betrinkt sich mit ihm und seinen Freunden. Und nach viel zu viel Wodka regt sich der alte Revoluzzer in ihm, und er hat die absolut geniale Idee: Wir müssen Pavel nach Österreich in Sicherheit bringen!

Er schafft es tatsächlich, falsche Papiere aufzustellen, und Helene freut sich darauf, ihren alten Lover zu retten. Doch was sie nicht weiß: Pavel kommt nicht alleine, sondern mit seiner Frau Eugenina (Lea Tronina) und dem gemeinsamen Baby. Und das ruiniert das komplette Hilfskonzept. Eine komplette Familie, damit hat niemand gerechnet.

Und erst recht nicht damit, dass diese Familie keine demütigen Dankesager sind, sondern durchaus ihre eigene Vorstellung vom Exil haben, und viel genauer wissen, was sie brauchen als Helene. Das verstört. Und so werden die früheren Überzeugungen immer mehr zur Belastung. Leute in Not machen sich echt nicht so gut in den Altbauwohnungen. Und die Waldviertler Künstler-Idylle stören sie auch. Dennoch stellen sich Helene, Jakob, Viktor und Tina wacker der Herausforderung – dabei scheitern, gewinnen und lernen auf unerwarteten Ebenen.

In Johanna Moders zweitem Langfilm nach „High Performance – Mandarinen lügen nicht“ nimmt sie gekonnt die Generation Y aufs Korn. Wir waren alle mal politisch sooo korrekt – sind wir es heute immer noch? Können wir unseren eigenen Erwartungen entsprechen? Idealismus klingt so gut, wenn man nicht mit den Konsequenzen konfrontiert wird. Wir waren alle von der Idee befeuert, die Welt zu verbessern. Aber wenns dann soweit kommt, dass man konkret selbst was tun kann ... dann müssen wir konkret ran. Können wir das? Damals, als Revoluzzer, haben wir es uns versprochen. (FILMLADEN)


“Das österreichische Wesen, erst gutwillig, dann abweisend, dann wieder freundlich usw. hat Moder präzise durchschaut. Ihr Film ist allerdings illusionslos und sagt: Leute, geht lieber nicht ins Exil! Weltverbesserung findet im Westen allenfalls im Kopf oder in Altbauwohnungen nach einigen Gläschen Chianti zu viel statt." Die Presse


“Moder inszeniert hier ein moralisches Dilemma mit Feingefühl und Zeitgeist-Analyse." FM4


“Waren einmal Revoluzzer“ ist ein richtig starker Film, den es sich anzuschauen lohnt – auch um sich einmal selber zu hinterfragen. Klare Empfehlung!" Sr.de


“Die Figuren sind Teil einer intellektuellen Mittelschicht und leben in dem Glauben, für ihre Ideale einzustehen. Als es aber dann tatsächlich darauf ankommt, etwas zu tun, das ihre komfortable Lebenssituation gefährden und damit ihren Wohlstand oder ihre Sicherheit bedrohen könnte, zeigt sich, ob ihre Ideale diesem Druck auch standhalten", sagt Regisseurin Johanna Moder über ihre Tragikomödie. Alles hier seziert diese Gesellschaftsschicht und ist zum Teil erschreckend entlarvend. Zwar hat man ähnliche Milieuschilderungen schon häufiger im heimischen Kino gesehen, doch Moder gelingt ein durchwegs überzeugender Film, tadellos gespielt, unterhaltsam und auch mit Tiefgang. Denn viele der Fragen, die Moder ihren Protagonisten stellt, sind uns nur zu gut bekannt." Wiener Zeitung


  • Max Ophüls Preis // Beste Regie
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